Schon die zweite Coverstory im Journalisten in Folge. Ohne anmaßend sein zu wollen - undercover wird schwieriger.
Diesmal: „Die Bluthunde Hicker, Prewein, Höllriegl & Co.". Drüber ein Rottweiler, unten durch wir. Das mit den Bluthunden ist misslungen. Kräftig. Denn ein Rotti ist noch lange kein Bluthund. Und mit der Definition „Rottweiler der Journaille" könnte man vielleicht ein Problem haben. „Bluthund" - das hingegen ist eine Ehre. Warum? Wikipedia gibt Antwort:
Dieser sanfte, intelligente und anhängliche Hund hat feines kurzes Haar in den Farben Schwarz und Brandrot, Leberfarben und Brandrot oder Fahlrot.
Das sieht ja gleich besser aus.Die Farbe meiner Körperbehaarung soll hier nicht Thema sein. Ansonsten passt die Beschreibung relativ gut. Es geht aber weiter:
Vom Bloodhound wird gesagt, dass er die weltbeste Hundenase habe. Beim Einsatz als Fährtenhund kann er oft noch unter ungünstigsten Bedingungen eine tagealte Spur aufnehmen und verfolgen.
Eine gute Nase war noch nie eine Schande und schon garnicht für einen Journalisten. Und wozu es führen kann, beharrlich und unter schwierigsten Bedingungen alte Spuren zu verfolgen, hat die Causa Kampusch am besten gezeigt. Jahrelang hat die Polizei Berichte über die Möglichkeit von Mittätern lächelnd ins Reich der Fabel verwiesen. Im Bericht der Evaluierungskommission unter Adamovich liest sich das anders. Im Grunde eine Bestätigung für das ständige Nachhaken und Hinterfragen der Causa durch eine handvoll Journalisten-Kollegen. Aber weiter zum Bluthund in der Wikipedia:
Die Erziehung ist nicht einfach. Der Hund „überlegt“ sich fast jedes Kommando erst einmal, keiner darf erwarten, dass er so schon das erste Kommando befolgt, Zwang ist praktisch ausgeschlossen.
Ja genau. (Sorry Chef)
Der Bluthund ist freundlich zu allen Wesen. Aus diesem Merkmal lässt sich seine – den Jägern unangenehme – Sturheit ableiten. Ein idealer Haus- und Familienhund, starke Führung vorausgesetzt.
Soviel zum Ausflug in die Kynologie zwecks Ehrenrettung des Bluthundes. Von den Caniden zu den Bluthunden unter den Hominiden:
Ich mag die Kollegen, sie sind die letzten Dinosaurier in unserer Branche und sicher die Besten. Nur sehe ich mich nicht in dieser klassischen Tradition der Blutreporter, die neben Leichen Leberkässemmeln verdrücken und mit Kiberern sexistische Witze über die Verstorbenen reißen (Auch wenn man das in seinen Anfangsjahren cool findet). Wer mich aufmerksam liest, wird vielleicht bemerken, dass ich versuche auch die leisen Töne zu treffen. Und in meinen Recherchemethoden versuche ich seit längerem nach Kants kategorischem Imperativ vorzugehen. Schmäh ohne, wie mein Kollege H. sagen würde.
Ich bilde mir ein: Man kann - einen gewissen Intellekt vorausgesetzt – hervorragenden Boulevard auch mit Augenzwinkern, Eleganz und Moral betreiben. Nicht nur mit dem Dampfhammer. Ach ja, um die Titelfrage des Kollegen Washietl nicht unbeantwortet zu lassen: Wir müssen dürfen!
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